﻿<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="463"><titleStmt><title>Lichtenberg, Georg Christoph an Werner, Abraham Gottlob</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Helmuth</forename><surname>Albrecht</surname><affiliation>Technische Universität Bergakademie Freiberg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Hildegard</forename><surname>Wiegel</surname><affiliation>Technische Universität Bergakademie Freiberg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Matthias</forename><surname>Bremm</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://tu-freiberg.de/">Technische Universität Bergakademie Freiberg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="http://edition-werner.tu-freiberg.de/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Helmuth</forename><surname>Albrecht</surname></persName><persName><forename>Hildegard</forename><surname>Wiegel</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-01-20</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz Abraham Gottlob Werners</ab><ab type="state"/></availability><date when="2021-12-15"/><idno type="url">http://edition-werner.tu-freiberg.de/letters/view/463</idno></publicationStmt><sourceDesc><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Universitätsbibliothek "Georg Agricola" der Technischen Universität Bergakademie Freiberg</institution><idno type="signatur">Nachlass Abraham Gottlob Werner, Band II (B) S. 229-232</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="http://edition-werner.tu-freiberg.de/letters/view/463"><correspAction type="sent"><persName key="E">Lichtenberg, Georg Christoph</persName><placeName key="67">Göttingen</placeName><date when="1792-09-01">01.09.1792</date></correspAction><correspAction type="received"><persName>Werner, Abraham Gottlob</persName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/BrieanWe_485944510_0002/BrieanWe_485944510_0002_tif/jpegs/00000247.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/BrieanWe_485944510_0002/BrieanWe_485944510_0002_tif/jpegs/00000248.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/BrieanWe_485944510_0002/BrieanWe_485944510_0002_tif/jpegs/00000249.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/BrieanWe_485944510_0002/BrieanWe_485944510_0002_tif/jpegs/00000250.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p>[1] Wohlgebohrner Herr,<lb/>Hochzuverehrender Herr Inspecktor,<lb/>Vergeben Sie mir, verehrungswürdiger Mann, die Freyheit, die ich mir nehme, Ihrer gütigen Aufnahme  den Ueberbringer dieses Briefes einen jungen Engländer Nahmens <hi rend="family:Times">Townson</hi> zu empfehlen. Ich thue dieses im Vertrauen auf die Güte, die Sie mir während Ihres hiesigen Aufenthaltes verzeugt haben, und die, wie ich weiß, jeder Verehrer der Naturkunde von Ew. Wohlgebohl. hoffen kann, und dieses H. <hi rend="family:Times">Townson</hi> nicht allein, sondern zu gleich ein Kenner der Naturgeschichte und innigster Verehrer von Euer Wohlgebohrn Verdienste. [2] Dieses wird, glaube ich, dem redlichen jungen Manne die diese gütige Aufnahme zu verschaffen hinreichen. Das übrige wird er Selbst besser thun, als alle meine Empfehlungen.<lb/>Euer Wohlgebohrn sprachen bey Ihrem hiesigen Aufenthalt mit mir von Doppelspath. Ich habe diesen Sommer von einem Freunde aus Copenhagen ein vortreffliches Stück erhalten, das über ein Pfund wiegt, und von vortrefflicher Klarheit ist. Mit diesem habe ich einige  Ver suche an gestellt, dabey hatte ich einmal einen angenehmen Schrecken Ich hatte eine Prospektion auf einen entfernten Gegenstand gerichtet, und sah durch den Doppelspath in das selbe. Hier sah ich die Einfassung des Oculars zwar doppelt aber das Bild einfach, das aller dings sehr sonder bar aus sah. Ich fand aber die Auflösung des Problems sehr bald. Der Doppelspath verdoppelt entfernte Gegenstände nicht, weil Strahlen, die als Parallel auffallend angesehen werden können, trotz der verschiedenen Brechung, die sie erleiden, wieder parallel aus sehen, aber gerade die ses ist der Fall bey einem Bilde im Cubo, das man durch ein Ocular betr achtet. Ich citirte damals Euer Wohlbohrn eine Schrift von dem hochseeligen <hi rend="underline:1">Silberschlag</hi> . Da hat [3] doch wü rklich den Doppelspath recht ein consistorial Rath behandelt, denn er hat nicht einmal gesehen, daß Theil des gespateltenen Strahls unter gewissen Umständen von einem andern Stück Spath nicht mehr, und unter andern wieder getheilt wird. Ich habe diesen ganzen Sommer über immer ein Stück Doppelspath in der Tasche bey mir gehabt, um es allem anzuprobiren , und um auch bey den ent ferntesten Ver anlassungen daran zu denken. Alles zu sammen genommen hat mich nunmehr so ziemlich in dem Glauben bestättigt, daß in dem Licht etwas <hi rend="overstrike:1">einziges</hi> für un sere jetzige Kenntniß der Natur ein tzelnes statt findet, daß wir mit Analogien nicht erreichen können.<lb/>Verzeihen Sie, daß ich Sie mit solchem Fruchtlosen Gerede unterhalte. So gehts wenn man die Stücke Doppelspath bey sich hat um es anzuprobieren. <lb/>Ich habe die Ehre mit der vollkommensten Hochachtung und Ergebenheit zu ver harren<lb/>Euer Wohlgebohrn<lb/>gehorsamster Diener<lb/>CGLichtenberg<lb/>Göttingen den 1<hi rend="offset:4;underline:1">tn</hi> September<lb/>1792.<lb/> </p></div></body></text></TEI>
